Erfahrungsbericht zu Content.de

Wie ich bereits in meinen Blogbeitrag erwähnt habe, arbeite ich nebenberuflich bei Content.de. Seit 2011 bin ich unter den Pseudonym Ping anzutreffen. Deswegen möchte ich den Lesern und eventuelle Interessenten, ob zukünftiger Autor oder Auftragnehmer, etwas über die Webseite erzählen.  Aufmerksam auf das Angebot wurde ich damals in der Universität, als ein kleiner Zettel an der Wand hing und einen einfachen und schnellen Nebenverdienst versprach. Da ich damals sehr unter Zeitdruck stand und mein Studienplan normale Arbeit unmöglich machte, war ich neugierig.  In Herford hatte sich damals die Content.de Aktiengesellschaft gegründet. Bisher hatte ich von solchen Textbrokern noch nie etwas gehört, also versuchte ich mein Glück.

 

Auftragsformen und Vergütung

Das erste Hindernis, dass der zukünftige Autor bewältigen muss ist der Probetext. Dieser wird vom Content Team als Bewertungsmaßstab herangezogen und bestimmt somit über den zukünftigen Verdienst.  Meistens soll ein Produkt beschrieben oder eine Reiseempfehlung gegeben werden. Wenn die Einstufung nach ein paar Tagen erfolgt, können die ersten Aufträge angenommen werden. Es gibt insgesamt drei verschiedene Möglichkeiten wie ein Auftrag vergeben wird. Zunächst ist jeder Auftrag gleich angelegt. Das Briefing informiert den Autor über das Thema und formale Anforderung wie Absätze, Zwischenüberschriften usw. Weiterhin wird die Wortzahl vorgeschrieben. Dabei handelt es sich um eine von bis Angabe. Diese muss erreicht werden, damit der Auftrag erledigt wird. Alle Wörter die über die verlangte Zahl hinausgehen, werden nicht bezahlt. Meiner Erfahrung nach erhöht dies aber die Wahrscheinlichkeit auf eine gute Bewertung. Weniger beliebt sind Auftraggeber die eine Wortzahl von Beispielsweise 300 bis 300 angeben. Weiterhin sind die Schlagwörter wichtig. Diese sind in Prozent angegeben und entsprechend oft MUSS das Schlagwort vorkommen. Teilweise dürfen aber Füllwörter wie für, der, die usw. verwendet werden. Manchmal lässt sich mit der Vorgabe beim besten Willen kein grammatikalisch korrekter Satz bilden, dann empfiehlt es sich den Auftraggeber anzuschreiben oder den Text erst korrekt zu schreiben und dann durch die falsche Form zu ersetzen. Letztlich muss der Autor noch auf die Frist achten, wenn diese überschritten wird verfällt der Auftrag und eventuell gibt es Konsequenzen in Form einer Abwertung. Bis zu fünf Artikel können reserviert werden, wodurch es möglich ist für schlechte Zeiten vorzusorgen. Der Klassiker und vor allem für Anfänger die häufigste Auftragsform ist die Open Order. Der Auftraggeber ordnet seinen Auftrag einer Kategorie zu und stellt diese auf den Handelsplatz. Dort können dann alle Autoren, die mindestens die verlangte Qualitätsstufe besitzen, den Auftrag annehmen. Wird der Auftrag angeschaut hat der Texter 10 Minuten, um zu überlegen, ob er ihn annimmt oder doch etwas anderes sucht.

Vergütung Open Order pro Wort:

2 Sterne               0.8 Cent

3 Sterne               1 Cent

4 Sterne               1.2 Cent

4+ Sterne            2.0 Cent

4++ Sterne          3.0 Cent

5 Sterne               4.0 Cent

 

Eine weitere Kategorie sind die Group Order. Hierbei hat der Auftraggeber bereits eine Autorenauswahl getroffen und diese zusammengefasst. Alle Autoren die der Auftraggeber gewählt halt, bekommen den Auftrag angeboten. Ansonsten entspricht alles der Open Order. Wer zuerst kommt, bekommt den Auftrag und pro Qualitätsstufe 0.2 Cent mehr. Die letzte Auftragsform ist die Direkt Order. Es handelt sich dabei einerseits um ein Kompliment für die eigenen Schreibstil, anderseits kann der Preis individuell verhandelt werden. So habe ich bei anderen Autoren Wortpreise von 10 Cent und mehr gesehen.

 

Auftragsabgabe und Bewertung

Der Text kann in Word geschrieben werden, muss dann aber in das vorgegebene Feld kopiert werden. Dort werden die Wortzahl und die Schlagwörter überprüft. Außerdem bietet es eine rudimentäre Rechtschreibeprüfung an. Als nächstes erfolgt ein Copyright Prüfung. Wenn sie Anschlagen sollte, kann der Text trotzdem eingereicht werden. Ansonsten muss der Autor sechs Stunden warten, bevor er ihn erneut zur Prüfung vorlegen darf. Dann beginnt das Warten. Der Auftraggeber kann innerhalb von drei Tagen euren Auftrag annehmen. Lässt er die Frist verstreichen, erhält der Autor seinen Lohn und der Auftraggeber kann keine Änderungswünsche oder ähnliches verlangen. Manchmal kommt auch ein Text mit Änderungswünschen zurück. Wenn diese schnell bearbeitet werden, dann hat das meist keine Auswirkungen auf die Bewertung. Die Bewertung zeigt euch die Zufriedenheit des Auftraggebers mit eurer Leistung an. Er kann Inhalt/Vorgabe, Grammatik/Rechtschreibung, Ausdruck/Lesbarkeit und Termintreue/Kommunikation von 1, Erwartung deutlich unterschritten, bis 5, Erwartung deutlich übertroffen, bewerten. Gerade bei Massenaufträgen sollte sich niemand über neutrale Bewertungen wundern. Je länger und anspruchsvoller der Text ist, umso wahrscheinlicher wird eine individuelle Bewertung. Auch eine schlechte Bewertung sollte niemanden abschrecken. Selbst 5 Sterne Autoren haben regelmäßig schlechte Benotungen erhalten. Auch ein Autor hat einen schlechten Tag und mancher Auftraggeber mag den persönlichen Stil einfach nicht. Im letzteren Fall kann ich nur die Notizfunktion empfehlen, um den Auftraggeber zu meiden.

20.5.14 15:52, kommentieren

Digitaler Tagelöhner

Der Begriff des Tagelöhners ist eigentlich aus dem deutschen Sprachgebrauch verschwunden.  Normalerweise steht er für eine unqualifizierte Arbeitskraft, die Arbeitsleistung tageweise an einem Arbeitsgeber vergibt. Assoziationen die mit diesen Begriff einhergehen sind: fehlende soziale Absicherung, Ausbeutung, Entrechtung. Doch das Bild hat sich gewandelt und auch der Begriff. Im digitalen Zeitalter ist es möglich Heimarbeit auf ein neues Niveau zu heben. Zunächst erscheint das Angebot vielversprechend: am heimischen Computer werden Aufträge sondiert, nach Interesse und Zeitkapazitäten bearbeitet.  Verschiedene seriöse und weniger seriöse Dienstleistungsvermittler tummeln sich am Markt und versprechen das schnelle Geld.

 

Wie funktioniert ein Textbroker

Freier Autor, Freelancer oder ähnliche Begriffe stehen für Menschen, die auf solchen Plattformen versuchen ihr täglich Brot zu erwerben. Ich gehöre zu diesen Personen. Als Nebentätigkeit schreibe ich für Blogs über Gott und die Welt, für Shops verfasse ich verkaufsfördernde Produktbeschreibungen oder für Apotheken kurze Abhandlungen zu Krankheiten. Doch wie funktionieren diese Handelsbörsen. Die Internetseite der Unternehmen dient als Handelsplatz. Dort werden Aufträge vermittelt und die Qualitätssicherung durchgeführt, dafür erhält der Dienstleistungsvermittler wiederum einen Teil der Provision. Der eigentliche Tauschhandel findet zwischen Autor und Auftraggeber statt. Der Auftraggeber möchte ein möglich hohes Ranking bei Google erreichen. Denn Google ist für die Mehrheit der Internetnutzer das Zugangstor zum Internet. Mehr als 91 Prozent aller Suchmaschinenanfragen laufen über den Internetriesen. Wer bei Google unsichtbar ist, ist für die meisten Menschen unsichtbar. Es gab und gibt verschiedene Möglichkeiten sein Ranking bei Google zu verbessern. Viele dürften sich noch an die Link Farmen erinnern. Internetseiten die aus einigen beliebten Schlagwörtern und Links bestanden, die immer wieder auf ähnlichen Seiten mit noch mehr Links führten. Der Mehrwert für den Nutzer ging gegen Null und nur die Betreiber profitierten von den Klickzahlen und den damit verbundenen Werbeeinnahmen. Eine weitere Möglichkeit ist ein besseres Ranking ist Geld, doch für einen kleinen E-Shop oder Blog dürfte der Kostenaufwand in keinen Verhältnis zum Gewinn stehen. Bleibt als letzte Möglichkeit durch „hochwertigen“ Inhalt Besucher auf seine Seite zu locken. Der Trick dabei ist eine geschickte Mischung aus Schlagwörtern, die häufig gesucht werden, und „einmaligen“ Content. Einmalig ist hier zu recht in Anführungszeichen gesetzt. Der Google-Algorithmus bewertet die Häufigkeit eines Textes. Wer auf seinen Blog nur Kopien von Wikipedia einstellt, wird dafür von Google mit einer schlechteren Platzierung abgestraft. Deswegen konnten sich solche Textbörsen überhaupt etablieren. Der kleine Blogbetreiber möchte mit einem überschaubaren Aufwand Inhalt für seine Webseite erstellen lassen. Dafür gibt er das Thema mehr oder weniger Präzise vor und bezahlt den Auftragnehmer pro Wort. Dieser versucht die Vorgabe zur Zufriedenheit des Auftraggebers umzusetzen, zumeist indem er einfach die wichtigen Informationen auf anderen Internetseiten sucht und daraus einen neuen Text erstellt. Wenn der Auftraggeber mit dem Ergebnis zufrieden ist, erhält der Autor sein Gehalt auf seine virtuelle Sparbüchse überwiesen. Dafür gibt er auf alle Ewigkeit die Rechte an seinem Text ab.

 

Verdienstmöglichkeiten

Jedem sollte klar sein, dass das Versprechen vom großen Geld ein leeres Versprechen ist. Einige wenige schaffen es tatsächlich sich einen besonderen Rang zu erarbeiten und damit ein vernünftiges Einkommen zu erwirtschaften. Das Hauptproblem ist das klassische Kapitalismusproblem. Es handelt sich dabei um einen freien Markt. Jeder kann Aufträge einstellen, jeder kann sie bearbeiten. Doch das Angebot übersteigt die Nachfrage und so sehen die Handelsplätze zeitweise sehr leer aus. Daraus resultiert, dass Autoren gezwungen sind jeden Auftrag anzunehmen, unabhängig davon ob der Zeitaufwand im Verhältnis zum Verdienst steht. Als weiterer Faktor der negativ auf den Verdienst wirkt ist die Qualitätseinstufung des Freelancers. Selbst einfachste Artikel im eigenen Fachbereich erzeugen Rechercheaufwand. Ich selber bin auf content.de Autor mit einer 4 Sterne Einstufung. Dadurch kann ich alle Aufträge von 2 bis 4 Sterne annehmen. Manchmal ist die Angebotssituation so schlecht, dass selbst ein 2 Sterneauftrag angenommen werden muss. Ich sollte für einen Auftraggeber einen Lexikonartikel schreiben. Umfang des Textes 100 Wörter, verdienst 0,8 Cent pro Wort. Theoretisch hätte ich den Artikel in weniger als 8 Minuten schreiben müssen, um auf einen sinnvollen Stundenlohn zu gelangen. Tatsächlich saß ich mehr als 20 Minuten an den „paar“ Wörtern. Gerade in den unteren Bewertungsstufen ist es fast unmöglich einen lebenswerten Stundenlohn zu erreichen. Hinzu kommt ein sehr überschaubares Auftragsangebot. Gerade Anfänger werden mehr Zeit mit dem Warten auf Aufträge verbringen als mit der Schreibtätigkeit. Wirklich lohnenswert ist der Aufbau einer Stammkundschaft, mit der ein individueller Preis verhandelt werden kann. Doch der Aufbauprozess ist langwierig und die Gefahr der Selbstausbeutung, durch einen zu gering veranschlagten Wortpreis, ist groß.

20.5.14 15:22, kommentieren